Das europäische Bankensystem ist gut gerüstet, um einem großen Konjunkturschock standzuhalten. Das ist das Kernergebnis des jüngsten EU-weiten Stresstests, der 48 Banken untersucht hat.

Das Gesamtergebnis stellt eine deutliche Verbesserung im Vergleich zu früheren Tests dar und spiegelt die fortlaufende Rekapitalisierungsstrategie wider, die von allen Banken in ganz Europa verfolgt wird. Von dem EU-weiten EBA-Stresstest waren 48 Banken erfasst – davon 33 aus Euro-Ländern und 15 aus Dänemark, Ungarn, Norwegen, Polen, Schweden und UK. Das Sample deckt 70 % der gesamten Aktiva des Bankensektors in der EU ab. 

Im Rahmen des Tests wurde analysiert, wie sich die Kapitalausstattung der Banken in einem Basisszenario und in einem adversen Szenario zwischen 2017 und 2020 entwickelt. Grundlage der Simulation bildeten die Daten per Ende 2017. Im adversen Szenario, dem eigentlichen Stressszenario, wurden mehrere ungünstige Entwicklungen zusammengefasst, wie etwa der kumulierte Rückgang des BIP über drei Jahre um 2,7 %, eine Arbeitslosigkeit von 9,7 % im Jahr 2020 und eine kumulierte Inflation von 1,7 % über drei Jahre.

Die 48 untersuchten Banken wiesen im Dezember 2017 eine gewichtete durchschnittliche CET1-Kapitalquote von 14,5 % auf. Damit lagen sie deutlich über dem Niveau vom Stresstest 2016. Das Stressszenario beeinflusst die CET1-Eigenkapitalquote (ohne Berücksichtigung der Übergangsbestimmungen) mit -395 Basispunkten. Dies würde Ende 2020 zu einer CET1-Kapitalquote von 10,1 % führen.

Ein Hauptmerkmal des Stresstests 2018 war die Umsetzung von IFRS 9. Bei diesem Rechnungslegungsstandard werden Kreditvorsorgen nicht erst nach Auftreten von konkreten Schwierigkeiten, sondern bereits gemäß langjähriger Ausfallswahrscheinlichkeiten gebildet. Die negative Auswirkung der ersten Umsetzung von IFRS 9 auf die Gesamtkennziffer der Kernkapitalquote (CET1) der Banken beträgt -20 Basispunkte (bps) bei voller Umsetzung und -10 bps in der Übergangsphase.

Aus Österreich nahmen die Erste Group und die Raiffeisen Bank International am Stesstest 2018 teil. Beide haben ihre Ausgangskapitalausstattung im Vergleich zum Stresstest 2016 deutlich verbessert. Die UniCredit Bank Austria AG wurde indirekt über ihre italienische Mutter UniCredit S.p.A. erfasst.

Weitere Informationen:
http://www.eba.europa.eu/-/eba-publishes-2018-eu-wide-stress-test-results
https://www.bankingsupervision.europa.eu/press/pr/date/2018/html/ssm.pr181102.de.html
https://www.fma.gv.at/oesterreichs-banken-beim-eba-stresstest-im-rahmen-der-erwartungen-aufsicht-mahnt-bei-der-staerkung-der-kapitalbasis-nicht-nachzulassen/