FACT – FINDING – FINANCE

Im Gespräch mit ao. Univ.-Prof. Dr. Martin Polaschek

Nur im Zusammenspiel zwischen Schulen und Familie kann Finanzbildung ermöglicht werden - dies öffnet allen Schülerinnen und Schülern eine Tür in eine komplexe aber spannende Welt. Wenn Konsumverhalten oder Wirtschaftszusammenhänge erst mal verstanden werden, können reflektierte Entscheidungen für die Zukunft getroffen werden.

In einer immer komplexer werdenden Welt hat auch der Stellenwert der Finanzbildung stark zugenommen. Wie können Kinder und Jugendliche hierauf ideal vorbereitet werden?

In der Tat hat der Stellenwert der Finanzbildung stark zugenommen und es ist die Aufgabe der Eltern und der Schule, Kinder und Jugendliche bestmöglich auf die Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft vorzubereiten. Nicht jedes Elternhaus ist aber gleichermaßen in der Lage, diesen Anspruch zu erfüllen. Daher ist es umso wichtiger, dass Finanzbildung eine Selbstverständlichkeit in unseren Schulen ist. Kinder und Jugendliche sollen einen bewussten Umgang mit Geld erlernen, über sparen und Zukunftsvorsorge nachdenken, aber auch in der Lage sein, über ihr eigenes Konsumverhalten zu reflektieren. Dabei ist besonders wichtig, dass die Kinder und Jugendliche altersgerecht in Themen wie Werte und Geldwert, Kaufverhalten, aber auch Zusammenhänge von Geld- und Wirtschaftskreislauf eingeführt werden und dass im Unterricht eine reflektierte Auseinandersetzung mit den Themen erfolgt. Der bewusste Umgang mit Taschengeld, aber das Zusammenspiel von Politik, Unternehmertum, Arbeitnehmerschaft und Privathaushalten sind Beispiele dazu.
 

Es ist geplant, dass Finanzbildung in naher Zukunft in die Lehrpläne österreichischer Schulen aufgenommen wird. Was sind hierbei die größten Herausforderungen?

In den neuen Lehrplänen der Primarstufe und Sekundarstufe I wurde gezielt in allen Schulstufen Finanzbildung als überfachliches Thema verankert. Finanzbildung ist außerdem in einzelnen Fachlehrplänen implementiert. Die zentrale Stellschraube für das Gelingen des Finanzbildungsunterrichts sind unsere Pädagoginnen und Pädagogen. Sie arbeiten hoch professionell und sind Expertinnen und Experten, wenn es darum geht, Schülerinnen und Schülern Kompetenzerwerb zu ermöglichen. Selbstverständlich werden Lehrpersonen, einhergehend mit der Einführung der neuen Lehrpläne, bereits in ihrer Ausbildung auf diesen Themenbereich vorbereitet. Es werden aber auch aktuell zahlreiche Fortbildungen im Bereich Finanzbildung von den Pädagogischen Hochschulen angeboten.
 

Was muss ein junger Schulabsolvent wissen, um sich Ihres Erachtens im Dschungel des Finanzwissens erfolgreich zurechtzufinden?

Der junge Schulabsolvent und natürlich auch die junge Schulabsolventin müssen in der Lage sein, finanzielle Entscheidungen reflektiert zu treffen, dabei die unterschiedlichen Interessen der Wirtschaftsteilnehmer und Wirtschaftsteilnehmerinnen zu kennen und ein finanziell selbstbestimmtes Leben zu führen. Es geht um finanzielle Allgemeinbildung, die jeder junge Mensch haben soll. Junge Menschen werden je nach Lebensphase mit unterschiedlichen finanziellen Herausforderungen konfrontiert und müssen befähigt werden wohlüberlegte und kompetente Entscheidungen zu treffen. Dies sind Entscheidungen zu Versicherung, Finanzierung von Wohnraum, Auto usw., Veranlagungsentscheidungen, Vertragsgestaltung am Arbeitsmarkt, um nur einige zu nennen. Auch der Bereich „Digital Financial Literacy“ wird künftig eine noch größere Rolle spielen. Die Schule hat die Aufgabe, auf diese finanziellen Entscheidungen bestmöglich vorzubereiten. Ergänzend bleibt zu erwähnen, dass weitergehende Kompetenzen im Rahmen der wirtschaftsberuflichen Ausbildung aufgebaut werden, dies passiert in den einschlägigen Berufsschulen und den berufsbildenden mittleren und höheren Schulen.
 

Wie sieht Ihr Idealbild guter Finanzbildung auf Österreichs Schulen aus? Wie kann dieser Lehrstoff mit Spaß vermittelt werden?

Unsere Lehrpersonen sind Expertinnen und Experten, wenn es darum geht, Kompetenzerwerb zielgruppenorientiert und unter Verwendung unterschiedlichster Lehr-/Lernsettings zu ermöglichen. Finanzbildung ist ein umfangreiches Themengebiet, sodass anlassbezogen natürlich auch auf das Angebot von einer Vielzahl von außerschulischen, einschlägigen Initiativen zurückgegriffen werden kann. Wir begrüßen, dass die Bundesschülervertretung als Schwerpunkt im Schuljahr 2022/23 „Wirtschafts- und Finanzbildung“ aufgenommen hat und die große Bedeutung dieses Themengebiets anspricht.
 

Wie kann an Österreichs Schulen eine gute Finanzbildung gelingen? Gibt es international Vorbilder?

Finanzkompetenz kann am besten aufgebaut werden, wenn möglichst früh begonnen wird und Eltern und Schule zusammenarbeiten. Aber wie eingangs schon erwähnt, sind nicht alle Eltern gleichermaßen in der Lage, ihren Kindern ausreichend finanzielle Entscheidungskompetenz zu vermitteln. Daher hat die Schule eine besonders große Verantwortung. Unsere Schulen nehmen diese Verantwortung auch wahr. Gute Finanzbildung gelingt dann, wenn sie möglichst umfassend und kontinuierlich in allen Gegenständen thematisiert wird und in speziellen Gegenständen bzw. auch zu unterschiedlichen Anlässen vertiefend bearbeitet wird. Als Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung sind wir Mitglied im Steuerungsausschuss der Nationalen Finanzbildungsstrategie und profitieren dadurch vom internationalen Netzwerk für Finanzbildung der OECD (INFE).
 

Wordrap mit Martin Polaschek

Mit meinem ersten selbst verdienten Geld habe ich... mir spannende Bücher gekauft.

Meine Eltern haben mir in Geldfragen immer geraten... sorgsam mit dem Ersparten umzugehen.

Am liebsten bezahle ich mit... Bankomatkarte.

Auf mein Konto schaue ich... durchschnittlich einmal die Woche.

Kryptowährungen bedeuten für mich... stehe ich skeptisch gegenüber.

Mein persönlicher Tipp für den Umgang mit Finanzen ist... Investitionen nach guten und umfangreichen Überlegungen zu tätigen.

Finanzbildung ist wichtig, weil... uns das Thema Finanzen tagtäglich begleitet und jede und jeder von uns sorgsam mit seinem Geld umgehen sollte.