ECHT – EMPOWERED – ERFOLGREICH

Interview mit Mag. Renata Maurer Nikolić

„Selbstmarketing hat seine Berechtigung, aber es muss Substanz dahinterstehen“ – davon ist Renata Maurer Nikolić, seit einem Jahr Vorständin der BKS Bank, überzeugt. Dampfplauderern erteilt sie eine Absage und Eigenverantwortung steht für die erfolgreiche Bankenmanagerin mit Migrationshintergrund im Fokus.

Die Self-Made-Karriere von Renata Maurer Nikolić macht Eindruck und spiegelt die harte Arbeit, ihre Kompromisslosigkeit sich selbst gegenüber und ihre Begeisterung für die Arbeit wider. Der Start in ihre neue Rolle war „intensiv“. Die Rollenveränderung vom Zulieferer zur Akteurin fordernd. „Früher war ich ein Orchestermitglied, jetzt bin ich Dirigentin“, sagt sie und ergänzt als für die Auslandsmärkte zuständiges Vorstandmitglied: „Meine Aufgabe besteht darin, diese verschiedenen Takte so abzustimmen, dass am Ende ein harmonisches Ganzes entsteht.“


Eine bewusste Entscheidung

Dass Frauen in Führungspositionen noch immer unterrepräsentiert sind, hat für Maurer Nikolić viele ganz unterschiedliche Ursachen. „Gesellschaftliche Strukturen, Stereotype bis hin zu enormen Organisationsleistungen, die Frauen erbringen müssen, wenn sie sich für den Karriereweg entscheiden. Letztlich geht es um eine bewusste Entscheidung, die Frauen treffen müssen: Was will ich, wie will ich es, wie kann ich das Care-Work-Thema mit meiner Familie planen? Ich habe insgesamt schon den Eindruck, dass wir auf dem richtigen Weg sind.“ Nicht nur in der BKS Bank, sondern die Gesellschaft als solche, betont sie. Dies brauche allerdings Zeit. „Mein Ziel wäre es, dass wir irgendwann nicht mehr darüber sprechen müssen“, erklärt sie und unterstreicht, dass „das gemeinsame Arbeiten von Männern und Frauen immer etwas Positives ist“. Denn: „Es erweitert den Horizont im Denken, es motiviert gegenseitig.“


Fehler sind Chancen für das nächste Kapitel

Junge Menschen, die am Anfang ihrer Karriere stehen, sollten sich, so die BKS-Vorständin, Gedanken machen: „Wie soll mein Weg aussehen? Wohin möchte ich mich entwickeln?“ Dabei geht es nicht um ein konkretes Ziel wie „Ich will Vorstand werden“, sondern darum, zu erkennen, welche Richtung, welche Werte einem wichtig sind. Work-Life-Balance ist für sie zu einem „Unwort“ geworden. „Ich gehe nicht arbeiten, damit ich meine Freizeit gestalten kann. Ich gehe arbeiten, damit ich viel lernen und gestalten kann.“ Wichtig sei, „mutig zu sein, Herausforderungen anzunehmen, sich sichtbar zu machen und manchmal braucht man auch eine dicke Haut“. Maurer Nikolić: „Die Krone darf ruhig mal herunterfallen, man sollte sich davon nicht entmutigen lassen.“ Und sie ergänzt: „Ich glaube, wir verzagen oft, anstatt Misserfolge als Challenge zu sehen. An Herausforderungen wächst man. Frauen sind oft sehr selbstkritisch, aber ich finde, man darf Fehler machen. Fehler sollen eigentlich eine Chance für ein nächstes Kapitel sein.“


Früher war ich ein Orchestermitglied, jetzt bin ich Dirigentin

Renate Maurer Nikolić ist seit April 2025 im Vorstand der BKS Bank. Im Interview mit Doris Zingl spricht sie über die Unterschiede zwischen der zweiten und der ersten Reihe, was man von Gen Z und Gen Alpha lernen kann, Eigenverantwortung und die Chancen von KI.

| © BKS Bank AG | Foto: Henry Welisch

Mag. Renata Maurer Nikolić | © BKS Bank AG | Foto: Henry Welisch
 

ZINGL: Frau Maurer-Nikolic, Sie sind jetzt seit knapp einem Jahr Vorständin in der BKS Bank. Wie war die erste Zeit im Vorstand für Sie?

MAURER NIKOLIĆ: Natürlich intensiv. Es war ein Sprung ins kalte Wasser. Ich finde das aber gut. So war das mein ganzes Leben lang.
 

ZINGL: Was hat sich verändert? Was ist der Hauptunterschied zwischen der zweiten und der ersten Reihe?

MAURER NIKOLIĆ: Ich würde es so formulieren: Früher war ich ein Orchestermitglied, jetzt bin ich Dirigentin. Innerhalb des Vorstandes bin ich für die Auslandsmärkte Slowenien, Kroatien, Slowakei und Serbien sowie das Wertpapiergeschäft zuständig. Die regulatorischen, kulturellen und wirtschaftlichen Unterschiede, die es in diesen Ländern gibt, gleichen jenen eines internationalen Orchesters, in dem jedes Land nach seiner eigenen Partitur spielt. Meine Aufgabe besteht darin, diese verschiedenen Takte so abzustimmen, dass am Ende ein harmonisches Ganzes entsteht.
 

ZINGL: Was schätzen Sie besonders an Ihrer Führungsposition?

MAURER NIKOLIĆ: Der Job hat so viele spannende Facetten. Die strategische Ebene, also intensiv eingebunden zu sein, in welche Richtung wir die Bank weiterentwickeln. Gleichzeitig ist mir aber auch weiterhin das tägliche Arbeiten mit Teams und Kundinnen und Kunden wichtig. Ich brauche diese Rückmeldungen, um zu spüren, in welchen Bereichen ich neue Impulse setzen kann. Es ist schön, dass ich bei der BKS Bank mit so vielen unterschiedlichen und interessanten Menschen arbeite.
 

ZINGL: Begeisterung für eine Sache, Identifikation mit einer Aufgabe: das sind Eigenschaften, die man oft Frauen zuordnet. Gleichzeitig zeigt die Realität, dass nur etwas 12 % der Bankenvorstände Frauen sind, in der Führungsebene darunter sind es auch nur ca. 30 %. Warum sind Frauen trotz ihrer persönlichen Hingabe in Spitzenpositionen noch so unterrepräsentiert?

MAURER NIKOLIĆ: Zunächst: die BKS Bank hat bewiesen, dass es nicht so sein muss. Wir haben uns zum Ziel gesetzt, bis 2029 35 % der Führungskräfte mit Frauen zu besetzen. Aktuell liegen wir bereits bei 37,5 %. Im Aufsichtsrat gibt es die gesetzliche Quote von 30 %. Wir sind aber weit über 40 %. Ich bin überzeugt, dass wir ein Role Model für viele andere Unternehmen sind. Dass Frauen in Führungspositionen noch immer unterrepräsentiert sind, hat sicher viele Ursachen: gesellschaftliche Strukturen, Stereotype bis hin zu enormen Organisationsleistungen, die Frauen erbringen müssen, wenn sie sich für den Karriereweg entscheiden. Letztlich geht es um eine bewusste Entscheidung, die Frauen treffen müssen: Was will ich, wie will ich es, wie kann ich das Care-Work-Thema mit meiner Familie planen? Ich habe insgesamt schon den Eindruck, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Nicht nur in der BKS Bank, sondern die Gesellschaft als solche. Aber es braucht noch Zeit. Mein Ziel wäre es, dass wir irgendwann nicht mehr darüber sprechen müssen. Das gemeinsame Arbeiten von Männern und Frauen ist immer etwas Positives. Es erweitert den Horizont im Denken, es motiviert gegenseitig.
 

ZINGL: Um als Frau wirklich frei entscheiden zu können, müssen aber doch gewisse Voraussetzungen erfüllt sein…

MAURER NIKOLIĆ: Ja, die muss ich mir schaffen. Dafür bin ich selbst verantwortlich. Wissen Sie, ich habe meine Karriere nicht mit dem Ziel begonnen, eines Tages Vorständin zu sein. Mein Anspruch an mich selbst war stets, meine Arbeit qualitativ gut zu machen und Herausforderungen anzunehmen. Es geht darum, für sich zu definieren, was wichtig ist. Welchen Karriereweg will ich gehen? Will ich zwei Jahre in Karenz gehen oder will ich im Unternehmen präsent bleiben? Man muss ein guter Organisator sein und auch flexibel sein. Man kann verschiedene Rollen einnehmen, ohne seine Identität zu verlieren.
 

ZINGL: Die Frage „Kann ich das gut organisieren?“ stellen sich Männer wahrscheinlich nicht so häufig.

MAURER NIKOLIĆ: Mag sein. Die Erwartungen an Frauen sind andere als an Männer. Das ist Fakt. Trotzdem kann jede Frau entscheiden, wie sie ihr Leben gestaltet. Es ist zu einfach, alles auf die Gesellschaft oder die Politik zu schieben. Natürlich gibt es Situationen, in denen es für Frauen schwierig ist: wenn das familiäre Umfeld oder der finanzielle Spielraum fehlt, wenn es keine Kinderbetreuung gibt. Ja, das ist so. Ja, es lastet mehr auf Frauen. Ich sehe Herausforderungen aber nicht als Bedrohung, sondern als Auftrag zur Lösung. Man muss die Herausforderung annehmen.
 

ZINGL: Wie wichtig ist ein berufliches Netzwerk für die Karriere?

MAURER NIKOLIĆ: Netzwerken hilft, Türen zu öffnen und sich sichtbar zu machen. Aber ausschlaggebend für die Karriere sollte definitiv die Leistung sein. Für einen echten Hebel halte ich Mentoring oder Paten-Systeme. Mentoren haben in meiner Laufbahn eine wichtige Rolle gespielt und jetzt bin ich selbst Mentorin. Es ist schön zu sehen, wie positiv mein Mentee es aufnimmt, wenn ich meine Erfahrungen weitergebe.
 

ZINGL: Glauben Sie, dass Frauen dazu neigen, ihre Leistungen weniger offensiv zu kommunizieren? Wie wichtig ist gezieltes Selbstmarketing, um beruflich weiterzukommen?

MAURER NIKOLIĆ: Selbstmarketing hat seine Berechtigung, aber es muss Substanz dahinterstehen. Ich brauche keine Dampfplauderer. Besser als „Tue Gutes und sprich darüber“ ist: Tue etwas und tue es so gut, dass andere darüber sprechen.
 

ZINGL: Ja, das wäre ideal. Aber brauchen Frauen nicht mehr Selbstmarketing als Männer, um Karriere machen zu können?

MAURER NIKOLIĆ: Man muss sich sichtbar machen, gerade als Frau. Es gibt diese berühmte gläserne Decke. Deshalb müssen wir Frauen ein bisschen lauter sprechen und klar sagen: Hallo, da bin ich. Mein Credo war stets: Ich packe die Dinge an, melde mich zu Wort. Heute sehe ich oft, dass der jungen Generation das Thema Work-Life-Balance immer wichtiger wird. Für mich ist das ein Unwort geworden. Ich gehe nicht arbeiten, damit ich meine Freizeit gestalten kann. Ich gehe arbeiten, damit ich viel lernen und gestalten kann. So bin ich auch in den Auswahlprozess für den Vorstandsjob gegangen. Ich möchte mit Leistung überzeugen.
 

ZINGL: Sie haben die Bedeutung von Mentoren angesprochen. Welche Frauen haben Sie persönlich am stärksten geprägt? Wen würden Sie als Vorbild betrachten?

MAURER NIKOLIĆ: Man braucht Vorbilder, davon bin ich überzeugt. Ich habe viele beeindruckende Frauen kennengelernt. Angefangen von meiner Mutter, von der ich mir viel abgeschaut habe. Auch bei uns in der BKS Bank habe ich viele Menschen kennengelernt, die mich inspiriert haben. Wenn man gut beobachtet, kann man von vielen etwas mitnehmen. Mich persönlich hat Michele Obama immer fasziniert. Die wuchs in einfachen Verhältnissen auf, sprach offen über Selbstzweifel, Druck, Vorbehalte und die Balance zwischen Karriere und Familie. Diese Ehrlichkeit macht sie für viele Frauen greifbar und menschlich.
 

ZINGL: Was hat sich in den letzten 20 Jahren im Arbeitsleben verändert?

MAURER NIKOLIĆ: Sehr viel. Wir sind heute nicht einfach nur eine Bank, sondern auch ein Digitalunternehmen. Das zeigt sich nicht nur bei unseren Services für die Kunden und Kundinnen, sondern auch bei unseren internen Ausbildungsprogrammen. Mittlerweile gibt es 50 Webinare, Blended-learnings, Digital Coaches und vieles mehr. Wir haben auch Diversity Management als fixen Trainingsinhalt für unsere Führungskräfte implementiert. Ich finde es positiv, wie Gen Z oder Alpha andere Zugänge haben. Sie sind offener, Hemmschwellen, Probleme anzusprechen, sinken. Wir müssen auch von den jüngeren Generationen lernen und uns anpassen. Wenn ich sagen würde, ich mache heute alles genauso wie vor 20 Jahren und ich höre nicht zu, was die Bedürfnisse der jungen Leute sind, dann würde ich total an der Wirklichkeit vorbeiarbeiten. Ich schätze Perspektivenvielfalt und bin sehr offen für Veränderung. Gerade in meiner Funktion ist das wichtig, um unser Geschäftsmodell an die gesellschaftlichen Anforderungen anpassen zu können.
 

ZINGL: Gibt es auch regionale Unterschiede zwischen den Auslandsmärkten?

MAURER NIKOLIĆ: Große. In Österreich leben viele zur Miete, der geförderte Wohnungsbau ist stark ausgebaut. Das gibt es im Ausland in der Form nicht. In unseren Auslandsmärkten ist Wohnungseigentum alles, wonach die Leute streben. Ein anderes Beispiel: Slowenien versucht gezielt, den Kapitalmarkt für Junge zu öffnen. Dort wurde gerade ein steuerlich begünstigtes Langfrist-Investmentkonto eingeführt. Daran könnte man sich auch in Österreich orientieren, um die private Vorsorge zu stärken. Auch der Digitalisierungsreifegrad ist in unseren Auslandsmärkten bereits sehr hoch.
 

ZINGL: Wo sehen Sie das Thema Künstliche Intelligenz in fünf Jahren? Welche potenziellen Einsatzbereiche gibt es im Bankgeschäft?

MAURER NIKOLIĆ: KI ist nicht mehr wegzudenken. Es geht darum, sich an die Kundenbedürfnisse anzupassen. Prozesse so zu optimieren, dass ich als Kunde und auch als Mitarbeiter immer die Information bekomme, die ich brauche. Eine Stärke der BKS Bank ist es, die digitale mit der analogen Welt zu verbinden. Es gibt Situationen, in denen man nicht mit einem Chatbot sprechen will, sondern mit einem Menschen, der einem zuhört. Dank besser gefilterter Daten können wir eine noch individuellere, maßgeschneiderte Serviceleistung anbieten.
 

ZINGL: Was wäre Ihr Tipp für junge Frauen, die jetzt zwischen 25 und 30 sind, und eine Karriere im Banking anstreben?

MAURER NIKOLIĆ: Macht euch zunächst Gedanken: Wie soll mein Weg aussehen? Wohin möchte ich mich entwickeln? Wichtig ist dann, mutig zu sein, Herausforderungen anzunehmen, sich sichtbar zu machen und manchmal braucht man auch eine dicke Haut. Die Krone darf ruhig einmal herunterfallen, man sollte sich davon aber nicht entmutigen lassen. Ich glaube, wir verzagen oft, anstatt Misserfolge als Challenge zu sehen. An Herausforderungen wächst man. Frauen sind oft sehr selbstkritisch, aber ich finde, man darf Fehler machen. Fehler sollen eigentlich eine Chance für ein nächstes Kapitel sein.
 

ZINGL: Ohne Scheitern kein Vorankommen.

MAURER NIKOLIĆ: Ja genau. Do it!