21. April 2026
Ökonomischer Ausblick: Nahost-Krise erhöht Unsicherheiten, dämpft die Erholung der Wirtschaft und lässt Inflation steigen
Die Krise in Nahost erhöht die Unsicherheiten, dämpft den Aufschwung in Europa, Deutschland und Österreich und lässt die Inflation steigen.
Die Krise in Nahost erhöht die Unsicherheiten, dämpft den Aufschwung in Europa, Deutschland und Österreich und lässt die Inflation steigen. „Das Wirtschaftswachstum in Europa dürfte schätzungsweise um 0,4 Prozentpunkte niedriger ausfallen, wenn die Straße von Hormus insgesamt drei Monate gesperrt wäre“, sagt Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank AG, beim „Ökonomischen Ausblick“ des Bankenverbands zur aktuellen wirtschaftlichen Entwicklung. Für die Konjunktur in Österreich gilt ähnliches. „Die Erwartungen der Industrie sinken mit März. Es gibt weniger Optimismus als zuletzt. Das Wachstum wird 2026 mit 0,8 Prozent kaum höher als 2025 mit 0,6 Prozent sein. Bei hohen Risikoszenarien könnte das Wachstum sogar bei unter einem halben Prozent liegen“, erklärt Stefan Bruckbauer, Chefvolkswirt der UniCredit Bank Austria.
Krämer ordnet die Energiekrise und Ölangebotslücke ein: „Die von der Blockade verursachte Lücke lässt sich bestenfalls auf 6 Millionen Barrel Öl pro Tag senken, was immer noch sehr viel wäre“, erläutert der Ökonom. Dennoch sei die Energiekrise bisher noch nicht schlimmer als jene aus den 70er Jahren: „Die Wirtschaft ist heute weit weniger ölintensiv als vor 50 Jahren und wir haben heute Reserven von vier bis sechs Monaten.“ Die Inflation im Euroraum sieht Krämer im Schatten der Nahostkrise je nach Risikoszenario bei „bald 3 Prozent“ und damit deutlich über der ursprünglichen Prognose, die bei 2 Prozent lag. Bruckbauer erwartet in Österreich ebenso eine Inflationsrate von 3 Prozent, was von 3,6 Prozent des Jahres 2025 ein leichter Rückgang wäre. Würde der Öl- und Gaspreis bei über 100 Euro bleiben, müsste Österreich mit einer Inflation von 4 Prozent für 2026 rechnen. „2027 sollte die Inflation in Europa und in Österreich auf 2 Prozent zurückfallen“, gibt der UniCredit Bank Austria-Ökonom einen Ausblick.
„Die Industrieproduktion fällt in Deutschland unter Schwankungen seit sieben Jahren. Die Exporte nach China sind seit 2021 stark zurückgegangen und die US-Exporte sinken wegen der US-Zölle seit letztem Jahr ebenfalls“, sagt Krämer und betont, dass die Auftragseingänge der deutschen Industrie „bis zuletzt schwach“ seien. Ausnahme ist die Rüstungsindustrie: „Bei der Rüstung kommt es zu einer Auftragsflut.“
Die österreichische Industrie habe, so Bruckbauer, mit einem deutlichen Anstieg der Einkaufspreise zu kämpfen. „Zudem steigen die Verkaufspreise weniger, die Lieferzeiten nehmen zu und der Lagerabbau nimmt ab. „Die österreichische Industrie verzeichnet eine leichte Erholung trotz weiterhin pessimistischer Stimmung“, sagt Bruckbauer und ordnet es in das globale Bild ein: „Die weltweite Industrieproduktion zeigt Zeichen der Stabilisierung, das gilt auch für Österreich. Der Einzelhandel stagniert. Österreichs Wachstumsschwäche ist seit 2019 besonders im Bau und Export zu sehen, Österreich fehlt ebenso wie Europa das Konsumwachstum.“ So erholte sich die Konsumentenstimmung etwas, im März erfolgte erneut ein Rückgang. Die Sparquote bleibt in Österreich über dem Vor-Pandemieniveau. Von der EZB erwarten beide Experten eine Zinserhöhung für das laufende Jahr 2026.
„Wir bleiben bei einem vorsichtigen Optimismus“, fasst Gerald Resch, Generalsekretär des Bankenverbandes die Stimmung zusammen und ergänzt: „Die jüngste Krise fordert die langsame Erholung der Wirtschaft und schwächt den Aufschwung merklich ab. Die Unsicherheiten bringen zwar einige Fragezeichen, aber sie zeigen auch, dass wir uns auf die eigenen Stärken besinnen müssen, um international wettbewerbsfähig sein zu können. Nur zu warten, dass Impulse von außen kommen oder andere für uns die Hausaufgaben erledigen, wird nicht ausreichen.“
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