Steigende Kreditkosten für die Realwirtschaft möglich. Einbußen beim Bruttosozialprodukt um -0,4%. Private Haushalte und KMU besonders benachteiligt. Nur geringe Erhöhung der Widerstandskraft der Banken.

Im Dezember 2017 stellte der Basler Ausschuss das ‚Final Basel III Framework‘ vor. Es ist eines der meistdiskutierten regulatorischen Vorhaben der letzten Jahre und auch bekannt als ‚Basel IV‘. Die G20 unterstützten damals den Basler Akkord und nannten eine Bedingung: „We confirm our support for the Basel Committee on Banking Supervision’s (BCBS) work to finalise the Basel III framework without further significantly increasing overall capital requirements across the banking sector, while promoting a level playing field.“

Der Akkord soll nun auf europäischer Ebene implementiert werden. Eine gerade durchgeführte Studie der EBA hat in diesem Zusammenhang einen möglicherweise bedeutenden Kapitalmehrbedarf für europäische Banken aufgezeigt. Dies kann sich auch auf die Kosten der Realwirtschaft auswirken.

Daher ist es von hoher Bedeutung, dass der EU-Gesetzgeber Entscheidungen auf einer tragfähigen Informationsbasis trifft. Dies schließt Kosteneffekte der Realwirtschaft mit ein.

Vor diesem Hintergrund hat der Europäische Bankenverband (EBF) Copenhagen Economics eingeladen, die Auswirkungen der Umsetzung dieses Vorhabens auf die europäischen Haushalte zu analysieren, und zwar nach folgender Maßgabe:

  • Erfüllen die vorgestellten Vorgaben das Postulat der G20?
  • Werden positive gesellschaftliche Effekte erzielt?

Die EBA erhielt von der Kommission ein Mandat, drei Kernaspekte in Zusammenhang mit der Finalisierung des Basler Pakets zu untersuchen. Das Ergebnis von Copenhagen Economics führt zu folgenden Erkenntnissen, die nicht deckungsgleich mit den drei Hauptelementen der G20 sind:

  1. Unterstützung einer besseren Abstimmung der Risikobewertungen: Interne Modelle erfassen auch nach Erkenntnissen der EBA oder des IWF die Risiken in genauem Maß und zeigen, dass nicht jede Modellierung immer zu geringeren Kapitalanforderungen führt. Trotzdem wird der Output-Floor die Unterschiede zwischen möglichen künftigen Verlusten und Kapitalanforderungen aufdehnen und nicht verringern. Die Kapitalanforderungen werden somit auch bei jenen Banken steigen, die die historisch geringsten Verluste ausgewiesen hatten.
  2. Keine signifikante Erhöhung der Kapitalanforderungen: EBA’s Hauptszenario wird zu einem Anstieg des Mindestkapitalerfordernis um 24% führen, und dies wird sich beträchtlich auch auf die Portfolios mit niedrigeren Risiken auswirken. Dies entspricht einem Mehrbedarf von EUR 91 Mrd. an Kernkapital. Falls Banken ihre aktuellen Kapitalquoten halten sollen, würde sich dieser Mehrbedarf mit EUR 300 bis 400 Mrd. beziffern. Damit wären die Kapitalanforderungen signifikant gestiegen.
  3. Level-playing field: Vor allem mit den US-amerikanischen Banken sollte ein gleiches Wettbewerbsumfeld geschaffen werden. Der Kapitalmehrbedarf verhindert dieses. Es gibt keine Anzeichen und Beweise dafür, dass eine substanzielle Erhöhung der Risikogewichte für Banken mit internen Modellen erforderlich wäre.

Die Studie führt als weitere Erkenntnisse an, dass die Kosten den Nutzen der Implementierung des Basler Pakets für die EU-Wirtschaft überwiegen. Während kaum höhere Insolvenzfestigkeit und somit nicht deutlich mehr Sicherheit für das Finanzsystem durch weitere Erhöhungen der Kapitalquoten erreicht werden wird, werden sich umgekehrt die Kosten für die Kreditvergaben zu Buche schlagen. Dies wird das Bruttosozialprodukt nachträglich beeinträchtigen (permanente Reduktion um ca. 0,4%). Auch in adversen Szenarien werden Banken mit der heutigen Ausstattung nicht sehr wahrscheinlich in die Insolvenz schlittern. Private Haushalte und KMUs werden dafür besonders stark von den erhöhten Kosten betroffen sein, da es ihnen nicht möglich ist, auf den Kapitalmarkt auszuweichen.

Vor dieser Studie ist umso deutlicher die Forderung aufzustellen, das Basler Regelwerk in vernünftiger Form umzusetzen um diese Effekte zu verhindern.

Weitere Informationen finden Sie auch auf der Webseite des >>EBF